Dass das Koblenzer RMW-Motorsport-Team erfolgsverwöhnt ist, ist hinlänglich bekannt und kann in seiner beeindruckenden Motorsport-Vita nachgelesen werden. Doch was es am vergangenen Wochenende im Rahmen des Westdeutschen ADAC Kart-Cup auf dem 1038 Meter langen Vogelsbergring in Wittgenborn ablieferte, war der pure Wahnsinn. Eine Machtdemonstration der Mannen aus der Pfalz par excellence. Von der Hitze, die an diesem Wochenende auf dem hessischen Vogelsbergring – westlich von Frankfurt am Main – herrschte, zeigten sich sämtliche RMW-Piloten unbeeindruckt. In der Klasse der IAME X30-Junioren erreichten vier der fünf Piloten, Vincent Smykla, Felix Wahl, Marcel Schminke und Max Rosam, zu jedem Zeitpunkt an diesem Wochenende die Plätze eins bis vier. Ihre Souveränität begann bereits im freien Training am Sonntagmorgen. Doch auch wenn sie nach außen keine sichtbare Schwäche zeigten, war Christian Wangard nicht hundertprozentig mit seinen Piloten zufrieden.

„Auch wenn vier unserer fünf Fahrer im Zeittraining die Plätze eins bis vier für sich beansprucht haben, so haben sich wieder kleine Fehler eingeschlichen, die wir im Zeittraining als großes Manko unbedingt ausräumen müssen. Sicherlich sind wir und ganz besonders ich auf unsere Fahrer stolz. Doch wenn wir den Peak des schwarzen Goldes im Zeittraining besser für uns nutzen würden, dann hätten wir in den Zeitnahmelisten zwischen dem freiem Training und Zeittraining keine interne Fahrerverschiebung zu verzeichnen“, analysierte der RMW-Dateningenieur die Situation. Um die Situation besser einschätzen zu können, muss man wissen, dass ein neuer Reifen ein kleines Zeitfenster besitzt, in dem es dem Fahrer möglich ist, besonders schnell fahren zu können. Dieses Zeitfenster variiert unter anderem je nach Hersteller und Außentemperatur und findet meist zu Beginn seines Abrollens auf Asphalt statt. Oftmals sind es jedoch nur zwei bis drei Runden, bevor der Reifen dann an Performance verliert. In den beiden Rennen am Sonntag, als die Sonne gnadenlos auf den Vogelsbergring brannte und es den rund 80 Teilnehmern nicht leicht machte, ließen die RMW-Piloten jedoch keinen Zweifel aufkommen. Sie manifestierten ihre Plätze eins bis vier auch in beiden Rennen am Sonntag.

Ebenfalls stark präsentierten sich die beiden IAME X30-Seniorpiloten Maximilian Kannegiesser und Nick Rommershausen des Teams RWM Motorsport. Mussten sie in dem freien Training und Zeittraining ihr perfektes Set-up erst noch finden, gingen sie von Platz eins und sechs in die Rennen am Sonntag. Mit überzeugendem Überholmanöver und guter Rennübersicht kämpften sie sich auf die Plätze zwei und vier im ersten Rennen. Das zweite Rennen setzte dem Wochenende dann die Krone auf. Auf Platz eins liegend, zog Maximilian Kannegiesser allen anderen Teilnehmern davon und ließ ihnen keine Chance. Ein wenig differenzierter verlief es für den jungen Bambini-Piloten Philip Wiskirchen aus Euskirchen. „Philip kommt leider nicht so oft zum Trainieren. Sein Trainingsrückstand und die Tatsache, dass er auf dem Vogelsbergring in Wittgenborn noch nie gefahren ist, verdient unser Respekt. Unter diesen Bedingungen hat er eine tolle Leistung abgeliefert“, so Christian Wangard. Der Bambini-Pilot etablierte sich stets im Mittelfeld.

„Wir sind als Team an den Vogelsbergring gereist und wurden dort für unsere Arbeit belohnt. Das gesamte Team RMW Motorsport ist sehr stolz auf seine Fahrer. So macht es uns Spaß und das darf auf dem nächsten Rennen gerne wiederholt werden“, erklärte der Koblenzer.

Zeitgleich fand an diesem Wochenende das Auftaktrennen der ADAC Kart Academy Trophy in Kerpen statt. Die erst in diesem Jahr neu ins Leben gerufene Serie soll den zukünftigen Kartfahrern zum einen den kostengünstigen Einstieg in den Kartsport ermöglichen und zum anderen durch den Einsatz einheitlicher Materialien die Chancengleichheit unter den jungen Fahrern herstellen. Somit kommt es auf das Geschick und die Leistung des einzelnen Fahrers an. Vom RMW Motorsport ist der erst 14-jährige Moritz Wiskirchen zum Erftlandring nach Kerpen gereist. Bereits am Freitagvormittag hatten die Teilnehmer ihre Mühe, mit dem extremen Grip des 1.107 Meter langen Asphaltkurses von Kerpen zurechtzukommen. Aufgrund der sehr hohen Temperaturen verteilten die Reifen erheblich mehr Gummi auf dem Asphalt als üblich. So viel mehr, dass einige Teilnehmer in den sehr langsam gefahrenen Einführungsrunden mit ihren Reifen buchstäblich am Asphalt kleben blieben. Ohne Hilfe von außen war es ihnen nicht möglich, von der Stelle zu kommen. Doch der Youngster kam damit erstaunlich gut zurecht. Auch wenn die Menge an Gummi für ihn neu war. Im Zeittraining am Samstagnachmittag stellte der junge Wiskirchen sein Gefährt auf dem fünften Platz ab.

Die beiden Rennen erlebte er mit gemischten Gefühlen. Nach einigen Positionskämpfen fand sich Wiskirchen plötzlich im Mittelfeld wieder. Als er sich unvermittelt neben der Strecke befand, musste er sein Kart enttäuscht abstellen. Sein zweites Rennen am Sonntagnachmittag verlief dann wieder ganz nach seinem Geschmack. Von Platz 12 aus startend zündete der Youngster eine erstklassige Aufholjagd. Mit dem fünften Platz im zweiten Rennen schob sich Wiskirchen bis auf Platz sechs im Gesamtklassement vor.

Am 31. Juli geht es für das Koblenzer Team zum nächsten Kräftemessen des Westdeutschen ADAC Kart-Cup auf die Kartbahn Harsewinkel.